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Hottentotta judaicus

 
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Poldi

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Alter: 34
Anmeldedatum: 24.11.2007
Beiträge: 4209

BeitragVerfasst am: 20.09.2009, 13:55    Titel: Hottentotta judaicus Antworten mit Zitat

Hottentotta judaicus (Simon, 1872)
[= Buthus hedenborgii Thorell, 1876 (syn. by Simon, 1879)]

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda; Latreille, 1829)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida; Cuvier 1812)
Ordnung: Skorpione (Scorpiones; Latreille,1810)
Familie: Buthidae (C.L. Koch, 1837)
Gattung: Hottentotta (Birula, 1908)
Art: Hottentotta judaicus (Simon, 1872)




Herkunft und Vorkommen

Israel, Jordanien, Libanon, Syrien, „Palästina“, einige Gebiete am Toten Meer und der Türkei*.
*Keine heutigen Fundorte mehr bekannt



Äußere Merkmale & Geschlechtsunterschiede

Hottentotta judaicus ist ein größerer Vertreter der Gattung Hottentotta, mit einer Körperlänge von 60-80mm liegt die Größe im oberen Bereich. Kein zwingend deutlicher Sexualdimorphismus (Geschlechtsunterschied) erkennbar. Weibchen in den meisten Fällen deutlich größer als Männchen. Anzahl der Pectine liegt beim Männchen bei 27-32 und beim Weibchen bei 22-27 Stück pro Seite. Die Kämme stehen beim Männchen weiter auseinander (siehe Abb. unten) und ragen teilweise unter dem Körper hervor; im direkten Vergleich der Geschlechter bei Männchen sichtbar länger. Anhand des Manus ist keine eindeutige Bestimmung möglich. Erstes und zweites Metasomasegment bei beiden Geschlechtern länger als breit. Körperfärbe gänzlich schwarz bis auf die rötlich-braunen Spitzen der Pedipalpen. Manche Tiere weisen auch gelbliche Enden des ersten und zweiten Tarsomeres auf. Im Regelfall brauchen Weibchen 7und Männchen 6 Häutungen bis das Adultstadium erreicht ist.

Hottentotta judaicus ist von Laien leicht mit Hottentotta gentili zu verwechseln, da sie äußerlich fast identisch aussehen. Sollte das Ursprungsland nicht bekannt sein, kann man anhand der spärlicheren Behaarung am Metasoma und den Pedipalpen aber auf den zweiten Blick eine eindeutige Bestimmung durchführen.


Metasoma Hottentotta gentili

Metasoma Hottentotta judaicus


Ein besonderes Merkmal; Hottentotta judaicus hat beim Ruhen eine ganz bestimmte Körperhaltung, bei der die Pedipalpen an den Körper angezogen werden (siehe Abb.). Das ist für mich typisch und charakteristisch für Hottentotta judaicus.


Charakteristische Körperhaltung

ventrale Ansicht 1.0 H. judaicus





Haltungsbedingungen

Eine Terrariengröße von 40x30x20cm ist für eine 1.1. Haltung zu empfehlen. Viele Halter nutzen reinen Sand als Substrat, von dem rate ich ab. Es ist zwar nicht grundsätzlich falsch und die Tiere werfen auch unter diesen Bedingungen, aber um es Artgerecht zu gestalten, sollte man Lehmboden einsetzen. Tiere aus Israel wie ich sie halte, stammen von einem riesigen Geröllfeld, wo sie unter feuchten Steinen gefunden wurden. Der Boden weist große Lehmanteile auf, ist aber Grabfähig. (Teilweise lebt diese Art sogar auf Waldböden.) Hottentotta judaicus sollte in der Sommerzeit bei einer Temperatur von 33°C gehalten werden. Eine Winterruhe ist möglich, da Israel ebenfalls einen gemäßigten Winter hat (Tiefsttemperatur im Januar bei Durchschnittlich ca. 6°C bis 15°C). Ich senke für 12 Wochen die Temperatur auf ca. 15 Grad ab.

Hottentotta judaicus gräbt nicht. Diese Art legt wenn überhaupt Mulden an oder nutzt Höhlengange von andern Tieren. Die Art klettert in Terrarien häufig. Tagsüber hält sich dieser Skorpion eher in den Verstecken auf. Trächtige Weibchen sonnen sich hingegen sehr ausgiebig und fliehen nur bei Störungen in ihr Versteck.
Eine Wasserversorgung sollte aufgrund der Fundorte (unter Steinen oder unter der Rinde abgestorbener Baumstümpfe mit erhöhtem Feuchtigkeitsgehalt) immer gegeben sein. Ich fülle dazu ständig eine kleine Wasserschale mit frischem Trinkwasser und sprühe einmal in der Woche leicht über. Durch den Einsatz von Lehmboden hält sich die von mir angestrebte Luftfeuchtigkeit von 40% über diesen Zeitraum sehr konstant.
Hottentotta judaicus nimmt nach meinen Erfahrungen jegliche Futtertiere an, auch Schaben wie B. dubia. Eine übermäßige Fütterung ist zu vermeiden.

Das Sozialverhalten ist im adulten Alter sehr ausgeprägt und ohne Probleme kann diese Art in großen Gruppen gehalten werden. Dennoch muss man auf ausreichend Versteckmöglichkeiten und Platzangebot geachtet werden. Kannibalismus kann im juvenilen sowie adulten Alter vorkommen, dies sollte der Halter bei der Aufzucht berücksichtigen.



Gewölbte Korkstücke bilden Verstecke und Sphagnummoos sorgt für Feuchtigkeit. Erde und Steine komplettieren das Gesamtbild.

Verpaarung, Aufzucht der Nachzuchten

Eine Trächtigkeit ist bei Hottentotta judaicus leider schwer festzustellen. Durch die schwarze Pleuralmembran schimmern nicht wie bei anderen Skorpionen Embryonen durch. Sollte es sich um einen großen Wurf handeln kann es jedoch unter Umstanden dazu kommen, das Embryonen sichtbar sind. Viele Weibchen besitzen eine große Körperfülle im Gegensatz zu den filigran wirkenden Männchen. Eine Entwicklung der Trächtigkeit ist unter diesen Gesichtspunkten ebenfalls schwer nachzuvollziehen.
Über die Tragzeit kann ich im Moment noch keine Äußerung tätigen, da 80% meiner Weibchen WF sind.

Hottentotta judaicus hat eher kleine Würfe mit durchschnittlich 20 Nachzuchten.
Die Aufzucht kann unter den gleichen Bedingungen wie die Haltung der Adulten erfolgen. Eine etwas höhere Luftfeuchtigkeit ist im Versteck zu empfehlen, um den Häutungsvorgang für das Jungtier zu erleichtern. Ich platziere kleine Mengen Sphagnummoos unter den Verstecken. Diese halten das Substrat im Versteck feucht und ein mehrere Monate dauernder Versuch in einem Becken mit einem befeuchteten Versteck und einem bloß aufgelegten Stück Rinde mit Mulde direkt daneben zeigte mir, das ich mit meiner damaligen Vermutung richtig lag und nun als gängige Methode bei mir angewandt wird. Die Nz hielten sich fast ausschließlich im feuchteren Bereich auf. Aber man beachte, feucht bedeutet nicht nass!
Hottentotta judaicus wächst sehr langsam. Teilweise dauert die Aufzucht bis zu 2 Jahre oder länger. Sollte es über einen längeren Zeitraum nicht zu einer Häutung kommen empfehle ich, die Temperatur für ca. 4-6 Wochen auf über 33°C punktuell zu erhöhen und die Luftfeuchtigkeit zu reduzieren. Das Tier sollte in dieser Zeit viel Nahrung angeboten bekommen. Aber nur soviel, wie auch gefressen wird. Nach dieser „Bestrahlung“ wird die Temperatur etappenweise auf ca. 25°C reduziert und die Luftfeuchtigkeit über einen kurzen Zeitraum von 7 Tagen stark erhöht. Meine Tiere zeigten in dieser Zeit ein einheitliches Verhalten; sie häuteten sich. Diese Methode sollte man nur bei Tieren anwenden, die sich nicht Häuten wollen. Eine dauerhafte Aufzucht unter diesen Bedingungen fördert das Wachstum aber die Vermutung steht im Raum, dass solche Tiere eine kürzere Lebenserwartung im Adultstadium aufweisen.




Häutungen finden häufig rückliegend statt.

Die weißen Spitzen der Pedipalpen sind das Highlight nach einer Häutung. (C) Lexer



Verhalten und Giftigkeit

Hottentotta judaicus weicht eher zurück und versteckt sich, als in Abwehrposition zu gehen. Nur in eine Ecke gedrängt zeigt er die für Skorpione typische Drohgebärde. Wie oben schon genannt ist diese Art sehr sozial.

Zur Giftigkeit kann ich keine Äußerung tätigen.
Wert aus der LD 50- Tabelle:
7,94mg/kg (Leeming, 2003; Hasan, 1984 für Bestände aus Israel)

Persönlicher Kommentar

Hottentotta judaicus ist neben Hottentotta gentili der momentan einzige erhältliche schwarze Vertreter der Gattung Hottentotta. Eventuell wird in naher Zukunft noch Hottentotta franzwerneri als fast ganzlich schwarzer Vertreter der Gattung Einzug in unser Hobby finden. An Hottentotta zagrosensis ist leider noch nicht zu denken.
Wildfänge sind nach meinen Erfahrungen vielmals größer als Nachzuchten. Wo drauf dies zurückzuführen ist, kann nur spekuliert werden. Die Aufzucht gestaltet sich als Geduldspiel und kann schon mal mehrere Jahre andauern.
Er ist ein ruhiger Vertreter der Gattung und wird leider nicht so oft angeboten. Ich erfreue mich sehr an seinem Anblick und hoffe auf baldige weitere Nachzuchten um weitere Erfahrungen sammeln zu können. Mein ältestes Hottentotta judaicus Weibchen in meinem Bestand ist mittlerweile seid 3 Jahren adult und war ein sub-adulter Wildfang aus Israel, der sich in Deutschland adult gehäutet hat. Dies ist eine gute Lebenserwartung und lässt mich auf weitere Jahre hoffen.

Quellenangaben
-Euscorpius Occasional Publications in Scorpiology A Revision of the Genus Hottentotta Birula, 1908, with Descriptions of Four New Species (Scorpiones, Buthidae) František Kovařík September 2007 – No. 58
-Persönliche Erkenntnisse aus meiner Haltung und Zucht
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