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Parabuthus villosus "schwarze Farbmorphe"

 
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fenriz

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Alter: 37
Anmeldedatum: 26.07.2008
Beiträge: 3436

BeitragVerfasst am: 03.09.2009, 17:27    Titel: Parabuthus villosus "schwarze Farbmorphe" Antworten mit Zitat

Gattungs- und Artname

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Skorpione (Scorpiones)
Familie: Buthidae
Gattung: Parabuthus (Pocock 1890)
Art: Parabuthus villosus (Peters 1862) (schwarze Farbmorphe)

Herkunft und Vorkommen

Parabuthus villosus kommt in Namibia und Südafrika vor. Er besiedelt felsige Gebiete, wo der Bodengrund sehr lehmhaltig bzw. sandig ist. Dort legt er Wohnröhren unter Steinen oder Felsen an (PRENDINI 2004).


Abb.1: Habitatbild - zur Verfügung gestellt von Giorgio Molisani.

Äussere Merkmale & Geschlechtsunterschiede


Abb.2: 1.1 P.villosus "schwarze Farbmorphe" beim Paarungstanz. Deutlich ist der massivere Körperbau des Weibchens (links) zu erkennen.

Parabuthus villosus gehören zu den größten Buthiden, sie sollen Gesamtlängen von bis zu 18cm erreichen können, wobei um die 14-16cm eine realistischere Größenangabe sind.
Die Weibchen sind im Normalfall deutlich größer als Männchen, außerdem sind sie breiter gebaut.
Die Chelae sind schmal, das Metasoma hingegen dick und dazu stark granuliert.
Die schwarze Farbmorphe von P. villosus zeichnet sich durch ein komplett schwarzes Exoskelett aus, lediglich die Chelae (Scherenhände) weisen einen rötlichen Farbstich auf. Die Pleuralmembran ist samtig grau gefärbt und der komplette Körper ist mit kupferfarbenen Haaren übersät, vor allem Metasoma und Telson sind meist stark behaart. Der Grad der Behaarung kann jedoch je nach Herkunftsgebiet variieren, so dass es durchaus stärker und schwächer behaarte Tiere dieser Spezies gibt.
Wie bei vielen Parabuthus spp. sind auch bei Parabuthus villosus die ersten zwei Metasoma-Segmente auf der Innenseite Schleifpapier-ähnlich granuliert (LEEMING 2003). Wenn der Skorpion sich bedroht fühlt und/oder stark gereizt ist, kann er, indem er mit dem Aculeus (Giftstachel) darüberfährt, scharf knackende Geräusche erzeugen. Dieses Stridulieren ist ein eindeutiges Warnsignal, meist rennt das Tier dabei wild herum und hört erst auf, wenn es sich in einem Versteck verkrochen hat und sich wieder sicher fühlt.
Aufgrund der ähnlichen Färbung wird die schwarze Farbmorphe von P. villosus ab und zu mit Parabuthus transvaalicus verwechselt, dieser Irrtum lässt sich jedoch einfach erkennen: P. transvaalicus besitzt weiß-gelbliche Kammorgane, während die von der Parabuthus villosus-Farbmorphe komplett schwarz sind.


Abb.3: Geschlechtsdimorphismus. Oben links die Kammorgane eines Weibchens, die proximalen medialen Lamellen sind rot eingerahmt. Oben rechts die Kammorgane eines Männchens ohne proximale mediane Lamelle.
Unten die Chelae von Männchen (rechts) und Weibchen (links). Die des Männchens wirkt wesentlich massiver.

Bei adulten Tieren lassen sich die Geschlechter recht einfach auseinanderhalten. Zum einen durch den bereits erwähnten Größenunterschied und den massigeren Körperbau der Weibchen, zum anderen besitzen adulte männliche Tiere eine verbreiterte Manus, so dass ihre Chelae wesentlich bulliger wirken.
Auch bei nicht adulten Tieren kann man das Geschlecht bereits unterscheiden. Bei Parabuthus villosus sollte man sich allerdings nicht auf die Anzahl der Pectine (Kammzähne) verlassen, da sich die hierzu angegebenen Zahlen je nach Quelle unterscheiden (hier trotzdem wahrscheinliche Angaben für die Anzahl der Pectine: [Männchen] 36-42 [Weibchen] 33-36) (androctonus.ch/messcorpions.com/Skywalker).
Auf diese, bei P. villosus unsichere Art der Geschlechtsbestimmung ist man aber nicht angewiesen.
Wie die meisten Parabuthus spp. (eine Ausnahme bildet hier z.B. P. granulatus) zeichnen sich auch die Weibchen von P. villosus durch eine sogenannte proximale mediane Lamelle aus, ein vergrößerter Kammzahn direkt am Ansatz der Kammorgane.

Haltungsbedingungen


Abb.4: mein Terrarium (60x40x40cm) vor dem Einzug der Tiere.

In seiner natürlichen Umgebung lebt Parabuthus villosus in sehr heißen, trockenen Gebieten, wo dennoch manchmal durch morgendliche Nebelbildung eine erhöhte Luftfeuchtigkeit vorkommt. Außerdem legt er Wohnröhren an.
Diese Lebensumstände müssen nun im Terrarium bestmöglich nachgestellt werden. Auch die Terrariengröße muss dem Tier angepasst werden. Bei der schwarzen Farbmorphe von P. villosus handelt es sich um einen recht großen, aktiven Skorpion.
Für ein Einzeltier sollten die Maße des Terrariums 30x30x30cm (lxbxh) nicht unterschreiten, bei einer Paarhaltung sollten mindestens 60x40x40cm geboten werden.
Wenn man ein Pärchen dieser Art halten will, sollte man folgende Punkte beachten: es sollten genügend Verstecke und Ausweichmöglichkeiten vorhanden sein, am besten mehr als Skorpione vorhanden sind. Während bei den anderen Morphen von P. villosus Gruppen mit mehreren Männchen machbar sind, ist dies bei der schwarzen Farbmorphe nicht zu empfehlen. Gleichgeschlechtliche Tiere sind nicht miteinander verträglich, seien es weibliche oder männliche Exemplare (Stone-x/Carlo; pers. Mitteilung).
Wie immer in der Gruppenhaltung gibt es auch bei P. villosus keine Garantie für den reibungslosen Ablauf. Sollte es zu Streitigkeiten unter den Tieren kommen, muss man bereit sein, einzugreifen und sie zu separieren.
Nun zur Ausstattung des Terrariums: um dem Herkunftsgebiet Rechnung zu tragen, sollte man als Bodengrund eine Mischung aus Sand und Lehm (gibt es fertig gemischt im Fachhandel, man kann es aber auch für weniger Geld selber anmischen) verwenden, dieses wird angefeuchtet und dann ins Terrarium gefüllt (bevor die Skorpione eingesetzt werden, sollte der Bodengrund zum größten Teil durchgetrocknet sein, ein wenig Restfeuchte in den tieferen Schichten ist nicht weiter schlimm). Man sollte den Bodengrund nach hinten ansteigen lassen, so dass man auf eine Einfüllhöhe von mindestens 15-20cm kommt. Das gibt den Skorpionen die Möglichkeit, sich Höhlensysteme ähnlich denen in ihrem natürlichen Habitat anzulegen.
Am besten gestaltet man den Bodengrund mit Erhebungen und Vertiefungen, dies erhöht die Lauffläche (und sieht für den Betrachter schöner aus). Wenn man eine strukturierte Rückwand ins Terrarium einbringt, erhöht das zusätzlich den möglichen Aktionsradius der Tiere.
Zusätzlich sollte man Steine, Rindenstücke, Wurzeln oder auch Steinaufbauten (Achtung: diese sorgfältig gegen Einbrechen sichern) einbringen, die man zum Teil im Boden vergräbt, so dass die Skorpione sich unter bzw. zwischen diesen ihre Wohnhöhlen anlegen können.
Sobald für diese grundlegenden Dinge gesorgt ist, kann man für die Optik noch getrocknete Gräser und/oder Tillandsien in das Terrarium setzen, der eigenen Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.
P. villosus kommen wie bereits erwähnt aus trockenen Gegenden, wo durch morgendliche Nebel dennoch die Luftfeuchtigkeit manchmal höher ist. Im Terrarium bietet man den Tieren ein kleines Trinkgefäß (z.B. einen Flaschendeckel) an, den man alle 1-3 Wochen befüllt und dabei einen Teil des Terrariums leicht befeuchtet, um die LF zu steigern.
Das Terrarium wird mittels Halogenspots beleuchtet und zugleich beheizt. Die Zieltemperaturen liegen um die 30°C, direkt unter den Spots können Temperaturen von bis zu knapp über 40°C erreicht werden. In meinem 60x40x40-Terrarium heize ich mit einem 35W-Spot und einem 20W-Spot, so erreiche ich ein leichtes Temperaturgefälle und die Tiere können sich aussuchen, ob sie es eher wärmer oder kühler mögen. Erfahrungsgemäß halten sie sich größtenteils im wärmeren Bereich auf, dort haben sie auch ihre Höhlen angelegt.
Um den südafrikanischen Winter zu simulieren, werden ab ca. Oktober die Temperaturen langsam heruntergefahren, dies erreicht man durch eine verkürzte Beleuchtungsdauer. Ungefähr im November sollte man dann soweit sein, die Tiere bei Zimmertemperatur zu halten (will man dennoch Beleuchtung haben, kann man Leuchtstoffröhren mit niedrigen Wattzahlen verwenden, diese geben kaum Wärme ab).
Der südafrikanische Winter ist recht trocken, in dieser Zeit also mit Wasser sparsam umgehen.
Ab März werden die Temperaturen schrittweise wieder gesteigert, bis man dann im April wieder bei normalen Temperaturen weiter hält.
Hierzu muss erwähnt werden, dass der natürliche Lebensraum von P. villosus auf der Südhalbkugel liegt, d.h. der südafrikanische Winter fällt in unseren Sommer und umgekehrt.
Wenn man über die Möglichkeiten (z.B. kühler Kellerraum im Sommer) verfügt, kann man durchaus den natürlichen Jahreszeitenwechsel nachstellen. Ist dies nicht möglich, muss man versuchen, die Tiere an unseren Jahresrythmus zu gewöhnen.
Eine Winterruhe wirkt sich positiv auf die Lebenserwartung und auf die Paarungsbereitschaft der Tiere aus, zudem ist es eine weitere Möglichkeit, die Skorpione so „naturgetreu“ wie möglich zu halten.

Zur Fütterung: Adulte Parabuthus villosus erbeuten jedes Futtertier, dass sie überwältigen können. Man kann sie mit adulten Heimchen, Grillen, Heuschrecken und auch verschiedenen Schaben (ich selbst gebe Blaptica dubia) füttern. Die Fütterung sollte alle 1-3 Wochen stattfinden, das reicht aus. Adulte Männchen essen oftmals auch seltener, während Weibchen meist sehr gierig auf Futtertiere losgehen, vor allem wenn sie trächtig sind.


Abb.5: 1.0 erbeutet eine Schabe.

Die Beute wird mit den Chelae gepackt und dann ein- oder mehrmals gestochen. Sobald das Opfer überwältigt ist, wird es meist in die Höhle oder eine ruhige Ecke getragen, wo es dann gefressen wird.

Verpaarung, Aufzucht der Nachzuchten

Die Verpaarung der schwarzen Farbmorphe von P. villosus gestaltet sich im Normalfall recht unkompliziert. Setzt man ein adultes Pärchen zusammen, beginnt meist nach kurzer Zeit der Paarungstanz, bei dem das Männchen das Weibchen durch das Terrarium zieht, während es einen geeigneten Platz sucht, um seine Spermatophore zu platzieren und diese dem Weibchen einzuführen. Der Vorgang kann eine ganze Weile in Anspruch nehmen und wiederholt sich oft mehrere Nächte lang. Man sollte darauf achten, dass beide Tiere vorher ausreichend gefüttert wurden, um eventuellen Kämpfen vorzubeugen.
Es dauert etwa ein Jahr, bis P. villosus adult sind und damit die Geschlechtsreife erreichen. Männchen sind im 7. Instar adult, Weibchen benötigen eine Häutung mehr und sind somit im 8. Instar adult.

Video-Link: Ein Pärchen der schwarzen Farbmorphe von P.villosus beim Paarungstanz

Mit fortschreitender Trächtigkeit wird das Weibchen immer dicker. Das die Geburt nur noch einige Wochen entfernt liegt erkennt man daran, dass die Pleuralmembran des Weibchens einen rötlichen Farbglanz annimmt.


Abb.6: 0.1 mit deutlich rötlicher Pleuralmembran

Sollte man die Tiere gemeinsam halten, ist es nun langsam an der Zeit, das Weibchen zu separieren und in ein übersichtlich gestaltetes Wurfbecken umzusiedeln.
Nach insgesamt ungefähr einem Jahr Tragzeit kommt es zur Geburt der Jungtiere, Angaben über die Wurfgröße schwanken zwischen 60 und 120 Tieren.

Ab hier werde ich die Erfahrungen berichten, die ich mit meinen Tieren gemacht habe:
Am 12. September 2008 wurde das Weibchen vom Vorbesitzer (Peter/Skywalker) verpaart und anschließend bis ungefähr Mitte Oktober normal weitergehalten. Dann wurde wie unter Haltungsbedingungen beschrieben die Temperatur langsam heruntergefahren, bis Mitte November Zimmertemperatur (15-18°C) erreicht war.
Ab ca. Mitte März 2009 wurde die Winterruhe durch stetiges Anheben der Temperatur beendet, Mitte April zog das Weib zusammen mit einem Bock bei mir in ein großes Terrarium ein.
Ende Juni habe ich es separiert und seitdem in einem kleinen, sporadisch eingerichteten (1 Versteck, Wasserschale) Terrarium gehalten, wo es eine große Höhle angelegte, die bis direkt unter den Halogenspot geführt hat.
Am 14. August dieses Jahres war es dann soweit: beim täglichen Kontrollblick in die Höhle konnte ich beobachten, wie mehr und mehr Jungtiere von unter der Mutter auf ihren Rücken stiegen.
Der Vorgang dauerte von den frühen Morgenstunden bis in den Mittag hinein, ein großer Haufen Jungtiere hatte sich inzwischen auf dem Rücken des Weibchens versammelt.
Am Abend des 25. August sah ich dann, wie die ersten Jungtiere sich auf dem Rücken der Mutter häuteten und diesen sofort verließen.


Abb.7: Die Häutung ins Instar 2 erfolgt noch auf dem Rücken der Mutter.

Zwei Tage später, nachdem alle sich gehäutet hatten, wurde der Mutterrücken wieder als idealer Aufenthaltsort erkannt und die Kleinen erklommen ihn erneut.
Am 31. August verließen die ersten Skorplinge erstmalig die Höhle und erkundeten ihre Umgebung, die Mutter bekam das erste Mal wieder fressen, seit sie sich kurz vor dem Wurf dauerhaft in ihre Höhle zurückgezogen hatte. In einem Rutsch aß sie zwei Steppengrillen und eine B. dubia. Die Skorplinge transferierte ich dann am 2. September in ihre Aufzuchtbehältnisse, die dabei stattfindende Zählung der Jungtiere ergab eine Wurfgröße von 70 Tieren.
Die Mutter setzte ich am selben Tag zurück in das große Becken mit dem Männchen, wo bereits nach wenigen Minuten eine Paarung zu beobachten war. Im Verlauf des Tages fraß das Weibchen noch zwei weitere B. dubia, da der Wurf und das anschließende Fasten doch sehr an den Reserven gezehrt hatten.


Abb.8: Ein Instar 2-Skorpling erkundet das Terrarium auf eigene Faust.

Die Aufzucht der Jungtiere führe ich bei Temperaturen zwischen 25 und 32°C durch, wobei ich manche Jungtiere einzeln halte und manche in 4er-Gruppen.
Da Jungtiere schnell dehydrieren, wird alle 2-4 Tage eine Ecke der Aufzuchtbehälter angefeuchtet (man kann auch Trinkschalen benutzen, diese aber mit Watte oder Kieselsteinen füllen, damit die Kleinen nicht ertrinken können).
Als Futter gebe ich kleine Steppengrillen oder frisch geschlüpfte B. dubia, gefüttert wird 2-3mal die Woche. Um Kannibalismus in der Gruppenhaltung vorzubeugen, füttere ich dort etwas mehr als in der Einzelhaltung, ausserdem biete ich viele Versteckmöglichkeiten an, damit die Tiere sich leichter aus dem Weg gehen können.


Abb.9: Aufzuchtbehälter.

Die ersten Skorplinge häuteten sich bereits nach etwa einem Monat ins dritte Instar, dies war jedoch eher die Ausnahme. Der Großteil der Tiere vollzog die Häutung Anfang/Mitte November 2009, also nach etwa zweieinhalb bis drei Monaten im 2ten Instar.
Lediglich ein Skorpling fiel bisher (Stand Mitte November 09) bei der Häutung dem Kannibalismus zum Opfer, sonst zeigten sich noch keine Probleme in der Gruppenhaltung. Die Jungtiere sind noch sehr sozial und rotten sich auch häufig unter Steinen oder Rindenstücken zu kleinen Grüppchen zusammen oder nehmen tagsüber gemeinsam ein Sonnenbad.

Die weiteren Häutungsintervalle der Skorplinge bei den oben genannten Haltungsparametern werde ich hier ergänzen, so dass letztendlich der komplette Werdegang meiner NZ von Geburt bis zum Adultstadium hier dokumentiert ist.

Verhalten und Giftigkeit

Über das Verhalten der schwarzen Farbmorphe von P. villosus lassen sich nur schwerlich allgemeine Aussagen treffen.
Meine Tiere sind durchweg ruhige Zeitgenossen; wenn ich gezwungen bin, im Terrarium zu hantieren (z.B. defekte Spots auswechseln), treten sie sofort und zügig den Rückzug an. Selbst als ich das Weibchen separiert habe, kam keinerlei Aggression ihrerseits auf. Sie hat sich lediglich immer weiter zurückgezogen.
Bisher habe ich nur einmal erlebt, dass das Weibchen aggressiv wurde. Sie hatte sich irgendwie im Terrarium verklemmt, und als ich nach einigen Stunden zu der Meinung kam, sie könne sich nicht selbst befreien, half ich ihr aus ihrer Zwangslage. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits alles andere als gut gelaunt. Als ich kurz darauf sah, wie sie wieder zu der Stelle ging, wo sie vorher hing, pustete ich sie leicht durch die Lüftungslöcher an, um sie wegzutreiben. Sofort richtete sie sich zu voller Größe auf und raste mit unglaublicher Geschwindigkeit laut stridulierend quer durch das Terrarium. Erst als sie in ihrer Höhle verschwand, war Schluss damit. Am nächsten Tag war sie wieder die Ruhe in Person.
Wenn es um Futtertiere geht, sieht das Ganze nochmal anders aus. Meine P. villosus sind teilweise aktive Jäger, sie verfolgen ihre Beute durch das ganze Terrarium und erlegen sie meist auf eindrucksvoll rücksichtslose Art und Weise.
Natürlich kann es aber auch vorkommen, dass man an ein offensiveres Exemplar dieser Spezies gelangt.
Eine Besonderheit im Verhalten von P. villosus ist, dass sie zu den wenigen Skorpionen zählen, die auch des ab und an am Tag aktiv sind (HARINGTON 1981). Man kann sie immer mal wieder tagsüber (meist in den späten Nachmittags- bzw. frühen Abendstunden) beobachten, wie sie auf der Suche nach Futter das Terrarium durchstreifen.
Auch sonst ist P. villosus ein eher aktiver Skorpion, den man des öfteren auch außerhalb seiner Verstecke antreffen kann.
Das soziale Verhalten habe ich ja bereits angeschnitten, aus eigenen Erfahrungen kann ich sagen, das ein Pärchen dieser Art wunderbar harmonieren kann, meine zwei Tiere teilen sich sogar meistens eine Höhle, Aggressionen untereinander konnte ich nie beobachten. Einmal haben sie sogar zusammen an einer erbeuteten Schabe gefressen.
Parabuthus villosus gehört in all seinen Farbmorphen zu den medizinisch bedeutsamen Skorpionen, seine Stiche können über starke Schmerzen bis hin zu zentralnervöser und kardialer Symptomatik einiges Unheil anrichten (MAHSBERG et al. 1999). Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Stichunfall kommen, ist es dringend anzuraten, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. P. villosus zählt in Südafrika zu den gefährlichsten Skorpionen überhaupt.
Neben dem relativ starken Gift dieser Art wird ein Stich dadurch gefährlich, dass die Tiere bei einem Stich große Mengen an Gift abgeben können.
Eine weitere Besonderheit ist, dass P. villosus sein Gift verspritzen kann. Aufgrund des schlechten Sehvermögens der Skorpione kann er das Gift jedoch wohl nicht, wie manchmal behauptet, gezielt in die Augen seines gegenüber spritzen, er ist aber durchaus in der Lage, in Richtung der Bedrohung zu spritzen. Gerät das Gift in die Augen, löst es starkes Brennen aus und sollte schnellstmöglich ausgewaschen werden, um Folgeschäden zu vermeiden.
Wenn man mit diesen Tieren umgeht, ist also höchste Vorsicht geboten. Man sollte stets mit langen Pinzetten arbeiten und eventuell sogar eine Schutzbrille tragen. Der Umgang mit den Tieren sollte auf ein Minimum beschränkt werden, um Zwischenfällen vorzubeugen.

Persönlicher Kommentar

Trotz ihrer Giftigkeit ist die schwarze Farbmorphe von Parabuthus villosus ein sehr reizvoller Terrarienpflegling.
Durch seine tiefschwarze Farbe mit rötlichen Chelae und seiner imposanten Größe und Statur ist er ein wunderschönes Tier, und wenn sich das Licht in seiner kupferroten Behaarung fängt und diese feurig leuchtet, schmelze ich jedes Mal aufs Neue dahin.
Seine im Gegensatz zu vielen anderen Skorpionen immense Aktivität erhöht den Reiz noch zusätzlich. In der Pärchenhaltung kann man dann auch wunderbar das Verhalten der Tiere zueinander beobachten und dabei immer wieder interessante, absurde oder lustige Situationen erleben.
Hinzu kommt noch, dass es immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel ist, wenn ein adulter P. villosus Jagd auf eine ebenfalls adulte Blaptica dubia macht und diese in einem gnadenlosen Kampf überwältigt.
Für mich handelt es sich bei diesen Tieren ganz klar um meine persönlichen Favoriten in der Skorpionhaltung, doch auch bei aller Faszination sollte man stets das potenziell hochgefährliche Gift dieser Art im Hinterkopf behalten.


Abb.10: Adultes Männchen der schwarzen Farbmorphe von P. villosus.

Besonderer Dank geht an Peter/Skywalker. Nicht nur, dass ich meine Tiere von ihm erhalten habe, er hat mir auch jede Menge Fragen beantwortet und mir einiges über Parabuthus spp. beigebracht.
Danke auch nochmal an Giorgio Molisani, der mir freundlicherweise das Habitatbild zur Verfügung gestellt hat.

Quellenangaben

-HARINGTON Alexis (1981): The Journal of Arachnology 10 :8 5; DIURNALISM IN PARABUTHUS VILLOSUS (PETERS) 1-2

-PRENDINI Lorenzo (2004):The Journal of Arachnology 32:109–186; THE SYSTEMATICS OF SOUTHERN AFRICAN PARABUTHUS, POCOCK (SCORPIONES, BUTHIDAE): REVISIONS TO THE
TAXONOMY AND KEY TO THE SPECIES: 178

-MAHSBERG Dieter et al. (1999): Skorpione: 104

-LEEMING Jonathan (2003):Scorpions of Southern Africa: 49-50

-Peter/Skywalker

-Carlo/stone-x

-skorpione.de

-www.androctonus.ch

-http://bultel.p.free.fr/Deutsch/Parabuthus%20sp.htm (messcorpions.com)

-eigene Erfahrungen und Beobachtungen

_________________
Für alle meine Fotos gilt: © Alle Rechte vorbehalten.


Zuletzt bearbeitet von fenriz am 03.09.2009, 17:53, insgesamt 2-mal bearbeitet
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